Und das zur Weihnachtszeit!

Bevor man den Münsteraner Paulus-Dom betritt, geht man durch das sogenannte "Paradies", 

einer Figurengruppe, zu der auch diese Standbilder gehören. 

Ja, ich weiß, dies soll eine Seite für fotobegeisterte Menschen sein. Aber für Menschen! 

Ich schäme mich zutiefst,Teil einer Welt zu sein, der sich Christliches Abendland nennt. Eines Teiles der Welt, der seine christlichen Werte glaubt gegen Andersfarbige und Andersgläubige verteidigen zu müssen. Vor ein paar Tagen haben wir das Fest der Geburt Jesu gefeiert und haben dabei bedauert, dass unser Erlöser in einer Notunterkunft zur Welt kommen musste, weil hartherzige Menschen zuvor ein Obdach verweigerten.

Wie bigott ist das doch angesichts der Tatsache, dass im Moment tausende von Menschen an Europas Süd - und Südostgrenzen ohne ein ordentliches Doch über dem Kopf herumirren müssen!

Wohl am prekärsten ist wohl die Situation von 900 jungen Männern in Bosnien-Herzegowina, die dichtgedrängt in 20 Bussen sitzen und diese unter Polizeibewachung nur verlassen dürfen, um ihre Notdurft auf freiem Felde zu verrichten. Sie irren im Land herum, niemand, keine Stadt, kein Dorf will sie aufnehmen, obwohl es Platz für sie gäbe.

Andere Flüchtlinge leben auf freiem Feld, in Bauruinen, ohne Nahrung, ohne Heizung im bitterkalten Winter. Einige Männer berichten, dass kroatische Grenzsoldaten ihnen vor Tagen beim versuchten Grenzübertritt die Schuhe abgenommen hätten. Nun stehen sie in bitterster Kälte barfuß in Schnee und Matsch. Krankheit und Tod sind allgegenwärtig!

Seit Monaten wissen alle europäischen Politiker um diese Zustände, aber niemand kümmert sich ernstlich um diese Menschen. Sie sind zum Spielball der Politik geworden. Besonders abscheulich finde ich persönlich die Haltung der polnischen, der tschechischen und der ungarischen Regierungen. Sie nennen sich christlich, in Polen hat die katholische Kirche Ansehen und Macht, man ist stolz darauf, einen Papst hervorgebracht zu haben, nur das Gebot "liebe deinen Nächsten" wird ausgeblendet. 

Aber auch unsere Kirchen, beiderlei Konfession, lassen mahnende Worte zur Flüchtlingssituation vermissen! Zudem hat die hiesige (Kölner) katholische Kirche ja alle Hände voll mit sich selbst zu tun. Ob wohl von irgendeiner Kanzel über diese beschriebenen Verbrechen an der Menschlichkeit gepredigt wird?

 

Schon Bertold Brecht dichtete 1934 - 

 

„Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an. Und der arme sagte bleich, wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

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