Aus der Schublade

Im Ruhrgebiet Mitte der 70ger Jahre

Wetterlage und Pandemie fesseln den Fotografen derzeit mehr als sonst ans Haus. Man beschäftigt sich und kramt in zuvor vernachlässigten Schubladen. So fand ich einige Negativstreifen, sorgsam in Zellophan verpackt, was aber nicht verhindert hat, dass ich die Schwarz-Weiss-Negative doch etwas verstaubt und angekratzt vorfand.

Meine Frau stammt aus dem Ruhrgebiet, Grund genug, damals bei gelegentlichen Besuchen dort, auf die Fotopirsch zu gehen. Ich glaube, Mitte und Ende der 70ger Jahre des letzten Jahrhunderts fotografierte ich noch mit der Exakta Varex zusammen mit dem allseits bekannten Jena t 50mm f 2,5. Meist fotografierte ich schwarz-weiss, entwickelte den Film selbst, in der eigenen Dunkelkammer entstanden dann die Positive. 

Meine Neugier war geweckt. Fluks waren die ersten Negative gescannt und in Positive verwandelt. Was ich zu sehen bekam - Industrie mitten im Ort, qualmende Schlote, Zechenhäuser für die Arbeiter und Kinder, die auf noch wenig befahrenen Straßen spielten.

Diese Zechenhäuser, wie sie genannt wurden, hatten hinter dem Haus einen kleinen Garten mit einem Stall, in dem oft ein Schwein gehalten wurde. Sanitäre Anlage war ganz früher ein Plumpsklo. Später wurden richtige Toiletten und ein Bad eingerichtet. Nach Schließung der Zeche wurden diese Häuser den Bewohnern zu einem sozialen Preis zum Kauf angeboten. Manch neuer Besitzer bastelte daraus seine "kleine Villa". Dabei ging natürlich der besondere Charakter dieser Siedlungen verloren.

Dennoch sind diese Siedlungen Zeitzeugnisse einer vergangenen Ära.





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Kommentare: 3
  • #1

    Dirk Trampedach (Dienstag, 05 Januar 2021 14:55)

    Super Klasse!
    Als begeisterter Alt-Auto-Enthusiast finde ich die Ausbeute mit Blick auf die klassischen Fahrzeuge besonders lohnend. Auch das Rad, der Kinderwagen, und die Klamotten, herrlich! Aber auch sonst ist das ja fast schon ein "Jahrhundertfund". Wie gut, den Schatz gehoben zu haben. Als weniger freundlich möchte ich das Ruhrgebiet dieser Zeit auch nicht sehen wollen. Es war authentisch, typisch, einzigartig....und schmutzig... ;-)

    Herzlich, Dirk Trampedach

  • #2

    Volker Krause (Dienstag, 05 Januar 2021 18:33)

    Danke, lieber Dirk, für Deine freundliche Worte! Leider bekommt man bei der Beschäftigung mit dieser Thematik doch sehr deutlich mit, wie alt man (ich) geworden ist!
    Es lohnt sich aber im alten Negativarchiv zu graben, manch schöne Erinnerung kommt da zum Vorschein.
    Gruß Volker

  • #3

    Dirk Trampedach (Dienstag, 05 Januar 2021 21:27)

    Ach, Volker,
    alt sind wir dann, wenn es in uns keine Phantasie mehr gibt.
    Danach sieht´s nun wahrlich nicht aus... ;-)