Ein Ausflug mit der Kiev 88


Der Anblick meiner Kiev 88, im Regal an gut sichtbaren Stelle aufbewahrt, erfreut mich immer wieder. Die alte Dame sieht doch noch gut aus! Auch fotografiert habe ich mit ihr hin und wieder. Dabei waren zum Teil arge Schwierigkeiten zu überwinden - das Einlegen und Zurückspulen des 120er Films musste gelernt und geübt werden,  Lichteinfall musste aufgespürt und behoben werden und immer wieder klemmte etwas mechanisch. Also kein Gerät zum Drauflosknipsen! Aber, wie heißt der neue Zauberwort? Entschleunigung! Geduld ist angesagt. 

Es gibt für die Kamera einen aufsteckbaren Prismmensucher, habe ich auch, der einen Belichtungsmesser beinhaltet. Auf den verzichte ich aber, weil es dafür keine passende Batterie mehr gibt. Also schaue ich in den Lichtschacht. Zwar steht nicht alles auf dem Kopf, aber das Bild ist seitenverkehrt. Man soll es nicht glauben, aber das irritiert. Problematisch für den Kleinbild-Fotografen ist auch das 6X6 Format. Bei der Bildgestaltung durch den Schacht habe ich so meine Probleme damit, was in Bild hineinkommt, was ich aber lieber draußen hätte. Beim Endresultat soll das Foto doch gerade durch sein  quadratisches Format glänzen!

Letzt war es mal wieder soweit, ich nahm die Kiev 88 aus dem Regal, staubte sie etwas ab und lud einen SW-Film (Ilford FP4 Plus). Ich wohne unweit des Städtchens Bensberg, das heute zu Bergisch Gladbach gehört (ohne Bindestrich!). In den 60ger Jahren, als Bensberg noch selbstindisch war, wollten die Bürger ein neues Rathaus bauen. Man beauftragte den damaligen Stararchtikten Gottfried Böhm mit dem Bau. Der kam auf die Idee, das Rathaus mit dem Gemäuer der alten Burg, mitten im Ortskern, zu verschmelzen. Damals war Sichtbeton allüberall modern, auch Böhm entwarf so etwas wie eine Burg aus Beton. Als ich vor Jahren das Gebäude einmal von Weitem sah, machte es auf mich den Eindruck eines Affenfelsens. Ich lag da gar nicht so falsch, auch im Volksmund heiß der Rathausbau so.

Nun sollte die Beton-Rathaus-Burg Modell sein für einen Film mit der Kiev. Das Wetter war sonnig, leider mit harten Schatten. Als Belichtungsmesser hatte ich den kleinen Sixtar mit. Die Fotos gingen mir gut von der Hand, nur die Ausschnittsuche war problematisch (s.o.). Beim Spannen des Verschlusses, gleichzeitig Weitertransport des Filmes, gab es zwei mal ein komisches, ungewohntes Geräusch. Der Drehknopf ruckelte auch. Nach dem Entwickeln des Filmes sah ich dann auch den Grund. Der Film war nicht zur Gänze weitertransportiert worden. Folge partielle Doppelbelichtung.

Den Film habe ich entwickelt, noch mehr Entschleunigung, und nach dem Trocknen durch das Abfotografieren digitalisiert. Die Lightroomapp Negative LabPro machte dann auf den Negativen die gewünschten Positive.

Nur einige Bilder habe ich mit Lightroom entfleckt, sonst aber blieben sie so, wie sie aus der Kamera kamen.

Ich muss gestehen - der ganze Prozess hat mir viel Freude bereitet!

Vom Leuchttisch abfotografiert


Der alte Ortskern von Bensberg, Fachwerkhäuser und im Hintergrund das Schloss, heute ein Hotel mit renommiertem Restaurant

Hartes Licht auf Beton


Das linke Foto ist beschnitten, weil sonst viele unerwünschte Partien den gewünschten Eindruck beeinträchtigt hätten.



Bauteile der alten Burg wurden mit einbezogen

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