Werden wir zu Sklaven der Fotoindustrie?

Ein Beispiel für meine Versuche, die selbstfabrizierten Angelfliegen abzulichten

Sicherlich eine provokante Frage! Meine Erfahrungen mit der Fotografie beruhen auf jahrzehntelangem Vergnügen mit diesem Medium. Erst analog, lange als Canon-Fan und seit geraumer Zeit auch digital, erst mit Canon, dann mit Fuji. Die meiste Zeit bin ich mit folgender Gerätschaft gut ausgekommen - Kamera, manchmal zwei, drei Objektiven Normal, Weitwinkel und Tele, Stativ (robust und schwer) und einem Aufsteckblitz.

Als ich meine selbstgebundenen Angelfliegen auch fotografieren wollte, kam ein Makro-Objektiv mit 105mm Brennweite hinzu. Auffällig ist, dass sich viele Amateure spezialisiert haben, währen ich noch als Allrounder dem schönen Bild hinterherjage.

Groß ist die Szene der Naturfotografen. Um ordentliche Bilder zu machen, muss ein angemessenes Teleobjektiv her, Tarnzelt usw.. Die Landschaftsfotografie, die Makrofotografie, Akt, Reise- und wer weiß nicht was sonst noch für eine Fotografie. Das alles fordert spezielles Werkzeug. Fotomagazine, inflationär gedruckt, Blogger und Firmenauftritte im Internet suggerieren dem ernsthaften Foto-Amateur, was er alles kaufen müsste, um ordentliche Bilder zu machen. 

Beispielhaft wirkende Star-Fotografen setzen Maßstäbe in der Bildgestaltung, denen es nachzueifern gilt. Um gerade diesen speziellen Effekt zu erzielen muss erneut Zubehör her - Graufilter, Verlaufsfilter, spezielle Lichtquellen und, und, der Leser wird selbst ergänzen können.

Im Netz habe ich den Text eines Bloggers gelesen, der tatsächlich von der Jagd nach einem Objektiv berichtet, das einen "Sonnenstern" zaubern kann! Nur dafür ein eigenes Objektiv?

Geradezu Beispielhaft für die oben geschilderte Erscheinung ist der Hype nach der Erzeugung eines Bokehs auf dem Foto. Objektive werden danach konstruiert, ein solches erzeugen zu können. Gerade der aufstrebende ostasiatische Markt bedient die geschilderten Erscheinungen.

Die Firma Rollei  z.B. stürmt mit allen möglichen "Ersatzteilen" unter Verwendung des renommierten Namens auf den Markt, gehobene Qualität verheißend. Und wir stürmen mit!

Gründe für all das - der Fotoindustrie geht es in Wirklichkeit nicht so gut, wie sie sich gibt. Fast jeder besitzt ein Handy und kann damit in der Tat gute Fotos machen. Verdient werden muss also auf dem relativ schmalen Segment der "ernsthaften" Amateurfotografie!

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Kommentare: 2
  • #1

    Markus Schmitt (Donnerstag, 27 Mai 2021)

    Hallo Volker,

    danke für den Beitrag. Wahre Worte :). Es ist tatsächlich so wie du es oben schreibst. Irgendwie ist eine Jagd nach dem Equipment. Immer neue Dinge, neue Ausrüstung etc. pp. Dann gibt es noch Sprüche wie: "Haben ist besser als brauchen", das natürlich einem dient. Den Absatz ankurbeln. Wenn man aber von der Fotografie leben möchte, und nicht gerade in der Hochzeitsfotografie unterwegs, dann bleiben auch nur ein paar Standbeine übrig. Und da ist der Absatz natürlich relevant. Und das nutzen auch die Hersteller. Produkt + Reichweite.

    Am Ende sind wir es aber, die doch darüber entscheiden, ob wir das wollen oder nicht.

    Zudem ist eben der Konsumentenbereich stark eingebrochen. Weil eben die meisten privaten Haushalte mit dem Smartphone fotografieren. Und es ist auch egal, was wir "Fotografen" darüber denken. Es ist halt für viele ausreichend. Fertig. Und dann bleibt für den Hersteller eben ein kleinerer Absatzmarkt.

    Gruß

    Markus

  • #2

    Volker Krause (Donnerstag, 27 Mai 2021 15:17)

    Dank Dir für Deinen Beitrag!
    Gruß Volker