Bildkritik oder Bildbetrachtung?

Dieses Foto ist mir ans Herz gewachsen. Entstanden ist es vor circa 55 Jahren in Wien. Die Kamera war eine Exakta Varex IIb mit dem JenaT 2,8 50mm Objektiv. Das Farb-Dia habe ich gescannt und nach Schwarz-Weiß konvertiert.

Fast möchte ich sagen, das ist das Bild meines Lebens, denn es erzählt eine eindrucksvolle Geschichte.

Kritiker könnten so manches zum Foto sagen, aber immer bleibt doch der erste Eindruck, der den Betrachter fesselt.

Bei einer Bildkritik jedoch sollten feste Regeln bestehen, nach denen ein Foto beurteilt werden kann. Wer zur Bildkritik aufruft, der sollte Maßstäbe ausgeben.

Bildkritik, da steckt schon Kritisieren drin, Suche nach Fehlern. Sollte es nicht besser Bildbetrachtung heißen? Der Betrachter sollte sagen, wie das Foto auf ihn wirkt, was es in ihm auslöst, dann, später, was er als Fotograf vielleicht anders, besser gemacht hätte.

Tunlichst sollte der Betrachter als Beurteiler eines Fotos darauf verzichten, das Bild als Anlass für die Darlegung seines persönlichen Verständnisses von Fotografie zu nehmen. Überhebliches Dozieren, wie man es oft erlebt, ist fehl am Platze!

 

Gerade habe ich auf der Seite von Franz Bogner mit wunderbaren Fotos den folgenden bemerkenswerten Satz gelesen -

 

Ein gutes Bild muss für mich allein ohne Erklärung bestehen. Ich versuche deshalb noch stärker als früher, eine stimmige und spannende Bildkomposition zu finden. Heute strebe ich eine reduzierte Bildsprache an, die das Wesentliche betont. Doch Spannung und Ausgewogenheit zugleich gelingen selten in Perfektion.

 

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