Eine Kulisse zum Abfeiern

Als ich eben für diesen Artikel nach einem Foto des Bamberger Rathauses Geyerswörth gesucht habe, ist mir aufgefallen, wie lange ich schon nicht mehr in Bamberg war! Zwischenzeitlich muss sich dort vieles verändert haben.

Wie ein Fernsehbericht heute zeigte, hat der Touristenstrom mächtig zugenommen. Vor allem aber beklage sich die Bamberger, besonders die Bewohner der historischen Altstadt, darüber, dass in den Abend- und Nachtstunden, vor allem am Wochenende, Hunderte Jugendliche dort lautstark feiern. Der mitgebrachte Alkohol fließt, es herrscht Gejohle und Aggressivität. Wenn Polizei erscheint (fünf Beamte) gegen mehrere hundert Jugendliche, werden Ermahnungen ausgesprochen, die, wenn die Beamten wieder fort sind, schnell vergessen werden.

Dieses Phänomen, dieses zu Massen an markanten Plätzen lautstarke Feiern, breitet sich überall aus. Die Jugendlichen begründen ihr Tun damit, dass sie halt draußen feiern müssten, wenn die Discotheken koronabedingt geschlossen seien. Eine Logik, die sich mir nicht erschließt. Ein Verzicht auf solche Belustigungen ist für sie ausgeschlossen, das Schließen von Discos und das Verboten, dass Massen dichtgedrängt draußen feiern, sehen diese Jugendliche als Entzug ihrer Freiheit. Sie können nicht erkennen, wie rücksichtslos sie die Freiheit anderer beschneiden, die den Lärm, den anfallenden Unrat und die aufkommende Aggressivität nicht ertragen wollen und können. Die rasant ansteigenden Inzidenz -Zahlen unter jungen Menschen beweisen, wie gefahrenträchtig solche Zusammenrottungen sind. 

Es wird Zeit, dass ein Großteil unserer Jugend lernt zu verzichten. Werte etwa wie Rücksichtnahme, Höflichkeit, Bereitschaft zum Verzicht müssen wieder gelehrt und gelernt werden. 

Ich glaube nicht, dass ich damit "elitäre" Werte einfordere. Die Kirchen haben in der Vergangen und im Moment kein gutes Beispiel geliefert, aber unsere Religion hat eine Basis vermittelt für eine stillschweigende Übereinkunft dafür, was man tun und dafür, was man besser lassen sollte. Man könnte das Moral nennen. Aber der Verlust einer Moral ist nicht allein der Jugend anzulasten. Die Erwachsenenwelt ist beispielgebend.

Ja, Kinder und Jugendliche haben in der Pandemie gelitten. Aber es gehört auch zum Erwachsenwerden dazu, dass man lernt, sich einzuschränken. Auch muss ich dem alten Nachbarn recht geben, der sagt, die Jugend könne den Zeitverlust verkraften, habe noch viel Zeit vor sich, den Alten aber laufe die Zeit davon.

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Kommentare: 1
  • #1

    derbaum (Samstag, 21 August 2021 15:30)

    weise worte!