Nostalgie

Retro ist derzeit angesagt. Neu auf den Markt kommende Kameras sehen von außen aus wie damals, ein Analog-Hype ist ausgebrochen. Wer was auf sich hält, knipst gerade auf Film. 

 Wie man sicher weiß, schwimme auch ich gerade auf dieser "Neuen Welle". Gott sei Dank habe ich einige analoge Altertümchen noch nicht weggeworfen und eine Kiev 88 sowie die Horizon Panorama habe ich sogar noch dazu ersteigert.

 Anders als bei jüngeren Fotografen bedeutet das Arbeiten mit Film für mich nichts Neues. Als ich mit 16 anfing zu fotografieren, war an Digitales ja überhaupt noch nicht zu denken! Also war das analoge Fotografieren für mich nur Rückkehr zu Bekanntem. 

 Lange hielt ich damals der Fotografie auf Film die Treue. Fremd war mir die neue digitale Technik! Das dauert aber nicht lange. Zu schön und zu bequem war es, das gerade aufgenommene Motiv als Ergebnis zu betrachten und zu bearbeiten. Viele Jahre habe ich nur digital fotografiert. Bis dann in Fotozeitschriften einige Autoren davon schwärmten, wie entschleunigend das Fotografieren auf Film sei. Klar, beim Film hat man nur eine begrenzte Anzahl von Bildern zur Verfügung, man überlegt, ob man auf den Auslöser drückt. Selbst das Warten auf Film und Bilder aus dem Labor wurde als spannender Prozess beschrieben, ganz zu schweigen gar von der beruhigenden Arbeit beim Entwickeln des Films oder sogar beim Vergrößern in der Dunkelkammer.

 Filme entwickelt habe ich auch, wie früher, habe Lehrgeld mit 6X6 - Filmen zahlen müssen, aber merklich beruhigt hat mich diese Arbeit nicht! Zu sehr lockt doch das sofortige Betrachten des gemachten Fotos! Farbfilm kann ich (noch)nicht entwickeln, der muss ins Fachlabor, Wartezeit auch ca. eine Woche. Dann kann ich mich manchmal nicht aufraffen, Fotochemie anzusetzen und den Film zu entwickeln. Wie schön ist es doch, ein fotografisches Vorhaben zu verwirklichen und gleich ein Ergebnis zu sehen!

 Analog-Experten schwärmen zuweilen von der farblichen Magie des Films. So richtig zustimmen kann ich dem nur bei der Betrachtung besonderer Diafilme, die wirklich unnachahmliche Farbnoten hatten/haben. Zudem bieten moderne Digitalkameras heutzutage Möglichkeiten, bestimmte Filmmerkmale zu simulieren. Ob das nun immer hundertprozentig trifft, weiß ich nicht, der jeweilige Eindruck kommt aber dem Vorbild nahe.

 Das modern gewordene Fotografieren auf Film hat einen Run auf analoges Gerät ausgelöst. Besonders angesagte Kameras und Objektive erleben eine enorme Wertsteigerung. Vor einigen Monaten habe ich ein 50mm Olympus-Objektiv gekauft, eben nachgeschaut, verlangt man jetzt gut das Doppelte dafür! Alten "Scherben" sagt man, gerade wegen ihrer speziellen Abbildungsschwäche, eine besondere Wirkung nach. Betagte Objektive, z.B. von Enna - München, wie ich sie noch habe, werde teuer gehandelt, damals habe ich sie an meiner alten Exakta eingesetzt. 

 Auf das Fotografieren auf Film werde ich nicht ganz verzichten, allein schon weil die Panoramabilder der Horizon Spaß machen. Was aber die Anschaffung neuer/alter Objektive und Kameras betrifft, so werde ich mich zurückhalten, abwarten, bis die Aufregung um Film sich gelegt hat und dann einmal die Augen offen halten auf der Suche nach Passendem.

Zwei meiner recht alten Objektive von Enna-München, die auf meine Exakta passten

Oben die XT1 mit dem Olympus-Objektiv


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