In eigener Sache

Hier ist nach Reinhard Mey die Freiheit grenzenlos.

Es brennt mir auf der Seele, und es ist an der Zeit, dass wir uns um den Begriff der Freiheit Gedanken machen. Er wird momentan inflationär gebraucht.

Vor allem junge Menschen klagten pandemiebedingt über den Verlust ihrer Freizeit, weil ihnen Disco-Besuch und das In-Scharen-Abfeiern im öffentlichen Raum verwehrt wurde.

Unfreiheit wird somit mit dem Verlust von persönlichem Vergnügen gleichgesetzt. Gott sei Dank konnten die Menschen in der westlichen Welt über Jahrzehnte in Freiheit leben! Das heißt, einem jeden war und ist es erlaubt, seine Meinung in Wort und Bild zu äußern. Es gab und gibt keinerlei Repressalien. Menschen in der DDR haben erleben müssen, dass sie staatlicherseits bespitzelt worden sind, dass man sogar den Mitgliedern der eigenen Familie nicht trauen konnte. Unfreiheit ist, wenn man heute in Russland in Demonstrationen nicht zeigen kann, dass man Putins Krieg als das wahrnimmt, was er ist, einen Angriffskrieg. Dass Menschen auch im Ausland ihre Unversehrtheit, ihres Lebens nicht sicher sind, wenn sie totalitäre Regime kritisiert wie im Falle Russlands, der Türkei oder anderer Länder.

Da, wo man einen anderen Menschen schädigt, hört die persönliche Freiheit auf! Es heißt: Meine Freiheit hört dort auf, wo ich die Freiheit eines anderen missachte. Rosa Luxemburg hat schon gesagt :"Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden!" Die persönliche Freiheit hört z.B. auch dort auf, wenn ich durch nächtliches Grölen das Ruhebedürfnis meiner Mitmenschen missachte, oder ihnen zumute unappetitliche körperliche Ausscheidungen zu beseitigen. Wenn ich im Netz beleidige oder bedrohe.

 

Es zeugt von Dummheit, Rücksichtslosigkeit und Verhöhnung von Opfern totalitärer Gewalt, wenn jemand seine Freiheit nur darin sieht, persönlichen Vorteil und Vergnügen zu fordern.


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