Im Ruhrgebiet Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre - Teil II

Das Stöbern in altem Filmmaterial erweckte anhand der wiederentdeckten Örtlichkeiten schöne Erinnerungen. Mit Schrecken musste ich aber feststellen, wie düster und unfreundlich sich die Gegenden damals zeigten. Bei einer depressiven Wetterlage konnte es passieren, dass es knirschte, wenn man eine Außentreppe hinunterging. Schuld war der niedergefallene Kohlenstaub. Dem gegenüber stand die freundliche offene Art der Anwohner.  Man pflegte Nachbarschaft und half sich gegenseitig. 

Heute sieht es dort viel anders aus. Die Zechen haben die Häuser, in denen die Kumpel mit ihren Familien wohnten, unter günstigen Bedingungen in deren Eigentum übergehen lassen. Jeder baute sein Häuschen nach eigenen Vorstellungen um. Zechen, Kokereien, Kraftwerke und andere Betriebe haben die Arbeit eingestellt. Andere, umweltfreundlichere Betriebe nahmen deren Platz ein. Man staunt heutzutage, wie grün das Ruhrgebiet geworden ist. Ruhr und sogar die Emscher sind zu relativ sauberen Flüssen geworden. Fördertürme, Schornsteine und andere Industrieanlagen sind zu musealen Zeugnissen früherer Zeiten geworden.

Typische Zechenhäuser. Jede Familie bewohnte eine Hälfte des Doppelhauses. Geheizt wurde mit Koks, den die Bergleute als Deputat erhielten. Die Kohle wurde aus dem Lastwagen vor ein Kellerloch geschüttet und durch die Luke in den Kohlekeller verbracht. Manchmal habe ich der Schwiegermutter dabei geholfen.

Hinter dem Haus war zumeist ein großer Garten mit Platz für einen sogenannten Schweinehog, in dem eine Sau bis zur Schlachtreife gefüttert wurde. Im Garten baute man Obst und Gemüse an. Hühner sorgten für Eier und eine kräftige Suppe. Meine Frau erzählte mir, wie ihre Großmutter mit sicherem Hieb dem Geflügel den Garaus machte. 

Viele Bergleute züchteten Karnickel, die dann Weihnachten zum Festtagsbraten wurden. Zartbesaitete Naturen aßen dann mit wenig Appetit.

Die Leute hatten es halt nicht weit zu ihrem Arbeitsplatz.

Brieftauben, die Rennpferde der Bergleute

Ödnis am Ortsrand. Umweltschutz wurde noch klein geschrieben.



Ich habe noch ein paar Negative gefunden. Die Scans hänge ich hinten ran.



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Kommentare: 2
  • #1

    Markus Schmitt (Montag, 22 März 2021 10:23)

    Hallo Volker,

    vielen Dank für das Zeigen. Kann man sich so gar nicht mehr vorstellen, wie es alles mal ausgesehen hatte und wie sich alles doch über die Zeit so verändert hat. Danke, dass du die Bilder hier zeigst. Wieder ein Stück Geschichte.

    Gruß

    Markus

  • #2

    Volker Krause (Montag, 22 März 2021 13:02)

    Danke, Markus, für die netten Worte! Ja, es hat sich doch gelohnt, die alten Negative sorgsam zu verwahren. Ich bin selbst überrascht, wie gut sie noch erhalten sind.

    Gruß Volker