Haiku und Haiga

Haikus sind kurze Gedichte, meist dreizeilig. Ihren Ursprung haben sie in Japan, sind aber nun weltweit vertreten. Sie spielen in der Zeit und behandeln konkrete Sachverhalte. Ebenso ist Offenheit eines ihrer Kennzeichen. Endreime und Überschriften kennen sie nicht. Im strengen Sinne besteht ein Haiku in der japanischer Sprache aus 17 Silben bei drei Zeilen. Im Deutschen ist dies schwer zu verwirklichen. Darum bemühe ich mich beim Schreiben eines Haiku wenigstens dessen Kerngedanken zu treffen.

Ein Haiga ist ein Haiku - interpretiert durch ein begleitendes Foto.

 

 

Ein Bild, ein Wort, ein Duft -

Ein plötzliches Glück,

Für den Bruchteil einer Sekunde.

 

 

Der Körper eines Tieres?

Hingestreckt.

Wohin führen dich deine Gedanken?

 

 

 

 

 

Totes Geäst, bleich und wirr,

Manchmal gleichst du meinen Gedanken,

Wenn im Leben nichts zusammenpassen will.

 

 

 

 

Verschlungenes Unheil,

Pechgetränkt,

Überstehst du die Zeit.

 

 

 

Ein Vorhang aus Wasser,

Fein gebändert,

Zerschäumt in der Tiefe.

 

 

 

Mitten ins Herz traf der riesige Dolch die fromme Frau.

An wen wohl mag der kalte Stein erinnern?

War es der feste Glaube, der ihr den Tod brachte? 

 

 

 

Blütenschmetterling,

Wohin hast du dich verirrt?

Sattes Grün erschreckt.

Weiter Himmel, endloses Meer,

In der Ferne wohl eine Insel.

Keinen Halt findet das wandernde Auge.

 

          Ein dichter Zaun, 

       Doch feingeflochten

       Trennt er wenig.

 

 

 

 

Ein Schritt vor die Tür,

Nebel überfällt gerade die Lichtung,

Aber die Sonne kommt sicher gleich hervor.

 

 

 

Körperlose Schöne, wohin wendet sich dein Blick?

Leer ist dein Auge.

Schon lange vergangen sind lebendige Tage.

 

 

Ferne Insel zwischen Wolken und Meer -

Erreichbar nur in meinen Träumen.

Jedoch ein Boot liegt bereit.

 

 

Zaghaftes Grün,

Aber der Herbst kündigt sich schon an.

Nicht von Dauer darf die Pracht des Sommers sein.

 

 

 

Die Enkelin hat die kleine Blume

Auf der Wiese vorm Haus gepflückt -

Nun liegt sie schon lange auf meinem Tisch.

 

 

 

Eine weiße Feder

Wehte mir vor die Füße.

Welcher Vogel sang das Lied?

 

 

 

 

Schöne, verblasste Gestalt,

Einst verborgen unter den Tapeten des Russenhauses.

Wer bist du gewesen? Wer hat dich gemalt?


 

 

 

 

 

Waldspaziergang,

Dunkelheit bricht bald herein -

Elfenspiel im sattgrünen Moos.

 

 

Saint Columba`s Island,

Hier ruhen zwanzig Chiefs.

Über Jahrhunderte bewahrt ist ihr steinernes Abbild.

Am See entlang -

Goldwind beugt die Gräser.

Vogelzug.

Welke Rose -

Ihre einstige Pracht hat den Gärtner erfreut.

Verblüht nun, erinnert sie an ihre einstige Schönheit.

Blau ist der Himmel, strahlend blau.

Ein Flugzeug fesselt den Blick.

Es fand gewiss keine Begegnung statt.

Ich sah dich noch im eleganten Flug.

Nun liegst du da, vom Tode hingestreckt,

Traurig bin ich, dich so anzusehen im zerzausten Federkleid.

 

 

Der frühe Morgen zeigt sich kühl.

Sachtes Eis bedeckt das Seeufer.

Wird es morgen den Eisläufer tragen?

 

 

Gemächlich wogt das Gras im Fluss

Und gibt den hungrigen Fischen Deckung.

Der Räuber mit der Rute aber lauert.

 

 

 

Herbst in Kanada, Indian-Summer -

Das Bunt der Blätter verzaubert die Sinne,

Doch bitterer Frost kündigt sich schon an.

Die Forelle pflückt ein Insekt aus dem Spiegel des Sees,

Zarte Ringe zerrinnen.

Wo wird sie sich dem Angler noch einmal zeigen?